
POS-Terminal - Lexikon Finanzen
Ein POS-Terminal (Point of Sales) ist ein Online-Terminal zum bargeldlosen Bezahlen.
Sofort nach dem sich abzuzeichnenden Siegeszug der Geldausgabeautomaten wurden Überlegungen angestellt, den Bargeldbezug durch Private, deren Barzahlungen und die Bargeldablieferung der Handels- und Dienstleistungsunternehmen durch Terminals am POS zu ersetzen, die den Geldtransfer vom Konto des Käufers auf das Konto des Betriebes vornehmen. Demgemäß wird eine POS-Zahlung als eine Zahlung definiert, wo der Zahlungsempfänger über ein POS-Terminal verfügt, der Zahlungserbringer eine entsprechende Karte als Zahlungsmedium einsetzt, die Echtheit des Karteninhabers (cardholder verification) ohne unverhältnismäßig großen Aufwand und mit verhältnismäßig hoher Sicherheit erkannt wird (Authentifizierung) und die Belastung des Karteninhabers und die Gutschrift des Handels- und Dienstleistungsunternehmens automatisiert erfolgt.
Erste Versuche mit POS-Terminals
Die gedanklichen Grundlagen für POS-Systeme schuf Dale L. Reistad, indem er seine Vision einer bargeldlosen Gesellschaft publizierte. Über die ersten dann tatsächlich realisierten POS-Zahlungssysteme ist wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass es sich lediglich um lokale Ereignisse handelte, die in der Regel nicht besonders erfolgreich verlaufen sind, nicht allzuviel publiziert und damit auch nur wenig bekannt geworden. Aufgrund der relativ spärlich vorhandenen Literatur kann man heute halbwegs gesichert feststellen, dass die ersten POS-Zahlungssysteme nach Vorbereitungen und Testphasen im Jahr 1971 in den Pilotbetrieb und im Jahr 1972 in den USA in den regulären Betrieb übergingen. Es handelte sich dabei um Zahlungssysteme mit elektronischen POS-Terminals bei Handels- und Dienstleistungsbetrieben, die von der City National Bank & Trust Company of Columbus (Ohio) in einem dortigen Außenbezirk und von der Savings Bank of Hampstead in Syosset (New York, Long Island) erprobt wurden.
Bei der Realisierung der ersten POS-Systeme in den USA hat man versucht, sich möglichst nahe an die Abwicklung der damals noch jungen Geldausgabeautomaten zu halten, was zur Folge hatte, dass die ersten POS-Terminals mit Debitkarten und mit PIN-Code zu bedienen waren.
Die beiden ersten POS-Systeme waren zwar technisch erfolgreich, jedoch aufgrund der in beiden Fällen vorgesehenen räumlichen Beschränkung (nur ein Bezirk beziehungsweise ein Ort) sowie der ebenfalls in beiden Fällen vorgelegenen kundenmäßigen Beschränkung (jeweils nur mit Kommerzkunden und Privatkunden einer Bank) ein Misserfolg. Ähnlich ging es folgenden Projekten, weshalb komplexere Lösungen in Hinblick auf Bankenkooperation statt Bankenkonkurrenz in die Überlegungen mit einflossen.
Nachdem also die lokalen und bankbezogenen POS-Systeme an der mangelnden Frequenz scheiterten, bildeten sich regionale, bankenneutrale und damit interoperable POS-Systeme, die von den regionalen ATM-Betreibern â die sich damals im Besitz der regionalen Banken befanden â etabliert wurden. Langsam aber sicher â die Zahlungsgewohnheiten der Amerikaner mussten sich erst ändern und nicht nur dort ändern sie sich nur langsam â sind diese âRegionalsâ zu dominanten POS-Netzwerkbetreibern geworden.
Weitere Entwicklung der POS-Terminals
Die Definition, was ein POS-Zahlungssystem beziehungsweise was ein POS-Terminal ist, hat sich im Laufe der Zeit der Weiterentwicklung der Karten- und Terminaltechnik entsprechend verändert.
Der Weg zum einem heutigen POS-Terminal, das Karten mit Code (meist Debitkarten) und Karten mit Unterschrift (meist Kreditkarten) als auch das Zahlen aus Elektronischen Geldbörsen unterstützt, geht â wie bereits erwähnt auf die Debitkartenwelt zurück, wo das Girokonto des Karteninhabers nach einer Zahlung am POS-Terminal ehestens belastet wurde, womit das POS-Terminal ein Transaktionsterminal ist.
Die Zahlungsprozedur war die gleiche, wie sie auch heute noch ist:
- Der zu zahlende Betrag wird in das POS-Terminal eingegeben oder von der Handelskasse â im Falle einer Anbindung der Handelskasse an das POS-Terminal â an das POS-Terminal, übertragen.
- Die Zahlungskarte wird in den Leser eines POS-Terminals gesteckt oder durch einen Leseschlitz eines POS-Terminals gezogen.
- In der Folge werden Plausibilität und Gültigkeit der Karte (zugelassen ja/nein, abgelaufen ja/nein) überprüft. Eine Fortsetzung erfolgt nur dann, wenn die Karte plausibel, zugelassen und noch nicht abgelaufen ist.
- Der Code wird eingegeben.
- Danach wird eine Autorisierung des Betrages durch das Rechenzentrum der karteninhaberabrechnenden Bank (Online-Transaktionen) vorgenommen. Im Rahmen der Autorisierungsanfrage wird auch eine Sperrabfrage und die Feststellung der Karteninhaberechtheit (cardholder verification) in Form der Prüfung des PIN vorgenommen.
- Verläuft alles positiv, erscheint der Zahlungsabschluß auf dem Bildschirm des POS-Terminals.
Das Clearing und Settlement erfolgt parallel mit der Autorisierung (single messaging) oder nach dem Tagesabschluß im nachhinein (dual messaging).
Diese erste Generation der POS-Terminals aus der Debitkartenwelt bekam bald einen Zwilling. Denn die damals aktuellen Kreditkarten-Autorisierungstelefone wurden zu Kreditkarten-Transaktionsterminals weiterentwickelt. Die Abwicklung entsprach â mit Ausnahme der Feststellung der Karteninhaberechtheit â den damals auf dem Markt befindlichen POS-Terminals aus der Debitkartenwelt. Der Unterschied lag im wesentlich in der Art der Karteninhaberechtheitsfeststellung. Der Erbringung des Nachweises, dass der Kartenvorleger auch der echte Karteninhaber ist, erfolgt(e) bei dieser Art von POS-Terminal durch einen Vergleich der Unterschrift auf der Karte mit der Unterschrift, die auf einem von einem Drucker ausgedruckten Beleg geleistet wird.
Relativ rasch danach wurden die aus der Debitkartenwelt kommenden POS-Terminals um eine Kreditkartentransaktion erweitert und somit zu Universal-POS-Terminals, die in der Lage waren, sowohl PIN-basierende als auch Unterschrifts-basierende Transaktionen abzuwickeln. Damit war die zweite Generation der POS-Terminals auf dem Markt.
Mit dem Aufkommen von Chips auf Zahlungskarten seit Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sind entsprechend weiterentwickelte POS-Terminals der dritten Generation auch in der Lage eine Prüfung der Kartenechtheit (card authentication) vorzunehmen, was den Einsatz gefälschter Karten dort unmöglich macht. Mit dem Vorhandensein eines Chiplesers können derartige Universalterminals nicht nur Transaktionen mit PIN (in der Regel Debitkartentransaktionen auf pay now-Basis) und Transaktionen mit Unterschrift (in der Regel Kreditkartentransaktionen auf pay later-Basis) abwickeln, sondern auch solche aus einer auf einem Chip befindliche Elektronischen Geldbörse (auf pay before-Basis).
Diese POS-Terminals der dritten Generation basieren einerseits weiterhin auf dem Magnetstreifen und andererseits bereits auf dem Chip (Hybridterminals). Heute sind bereits viele Bargeldbezugskarten â wie die österreichischen Maestro-Karten (eurocheque- und Bankomat-Karten) - mit einem Chip versehen. In Hinblick auf die geplante Realisierung von EMV - den Chip-Spezifikationen für alle Europay-, MasterCard- und Visa-Produkte sowie für alle Europay-, MasterCard- und Visa-Produkte akzeptierende Terminals - kann man davon ausgehen, daß in 5 Jahren nahezu alle Bargeldbezugskarten zusätzlich zum Magnetstreifen mit einem Chip ausgestattet sein werden (Hybridkarten) und bei der Anwendung der Technologie ein Trend vom Magnetstreifen zum Chip zu verzeichnen sein wird.
Waren die ersten derartigen Hybridterminals mit zwei Lesern â einer für den Chip und einer für den Magnetstreifen â ausgestattet, setzen sich aus der Erkenntnis heraus, dass man es nicht dem Zufall oder dem Kassier des Handels- oder Dienstleistungsunternehmens beziehungsweise dem Karteninhaber überlassen kann, ob die Karte in den Chipleser oder in den Magnetstreifenleser appliziert wird, immer mehr die Hybridleser durch. Sie haben einen Schlitz, in den die Karte eingeführt wird. Danach erfolgt das Lesen der Karte entsprechend der von der Software vorgegebenen Vorgangsweise.
Mit dem sich durchsetzenden Erfolg der POS-Terminals der dritten Generation wurde als Mangel die durch die Leitungsanbindung erforderlich Stationärität der Geräte für manche Branchen (zum Beispiel Restaurants, fahrende Händler, Marktstände) bemängelt. Aus diesem Grund wurden als Ergänzung der stationären POS-Terminals mobile POS-Terminals auf GSM-Basis entwickelt, die mehr und mehr zum Einsatz kommen.
Weltweite Verbreitung und ungebrochenes Wachstum der POS-Terminals
Aufbauend auf den amerikanischen Erfahrungen war es das erklärte Ziel in Ãsterreich, aber auch in vielen anderen europäischen Staaten (zum Beispiel in Deutschland/electronic cash, in Belgien/Bancontact, in den Niederlanden/PIN) nationale Debitkarten-POS-Systeme zu schaffen. Alle wurden ein Erfolg.
Ausgehend von diesen nationalen europäischen POS-Systemen und regionalen POS-Systemen auf den anderen Kontinenten kam es in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu einer Vernetzung dieser POS-Systeme mit gegenseitiger Kartenakzeptanz, was zur Bildung des globalen Debitkartenkartensystem Maestro führte.
Parallel dazu bauten die vertragsunternehmensabrechnenden Banken nach der Normierung der Kreditkartenakzeptanz an POS-Terminals POS-Systeme auf oder partizipierten an solchen, womit die fünf Kreditkartenorganisationen mit weltweit einsetzbaren Karten einen Verbund an POS-Systemen nutzen konnten.
Heute geht der Trend dahin, dass die aufgestellten Terminals alle üblichen Kartentypen akzeptieren, wobei es unterschiedliche finanzielle Arrangements gibt. Ã la longue wird jedes Handels- und Dienstleistungsterminal zumindest ein derartiges Universalterminal haben. All dies führte zu einem Boom bei POS-Terminals, der auch in den kommenden Jahr weiter anhalten wird.
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